Vom Gemeinschaftsgrab zu modernen Friedhofskonzepten

Wurzeln christlicher Bestattungskultur

Die christliche Bestattungskultur hat ihre Wurzeln in der Antike und in der biblisch-israelischen Tradition. Wegen des Glaubens an die Auferstehung des ganzen Leibes akzeptiert die Kirche im 16. Jahrhundert nur Erdbestattungen. Reliquienverehrung, Fürbitten für die Toten und die Rolle der Heiligen als Mittler für das Seelenheil der Toten sind Gründe, warum wohlhabende Bürger und Geistliche in den Kirchen begraben werden. Aus Platzmangel weicht man später auf den Kirchhof aus. Die Masse der Bürger findet jedoch in Gemeinschaftsgruben ihre letzte Ruhe.

Entstehung der Friedhöfe

Bald sind Kirchen, Kirchhöfe und Gemeinschaftsgräber überfüllt, verwesende Leichen führen zu massiven hygienischen Problemen. Deshalb entstehen vor den Toren der Städte im 16. Jahrhundert so genannte „Gottesäcker“ mit einfacher Struktur. Martin Luther spricht von einem „feinen, stillen Ort, darauf man mit Andacht gehen kann“. Der Name „Friedhof“ entsteht später, er bedeutet „umfriedeter Raum“. Mit der Reformation vollzieht sich ein Wandel in der Trauerkultur. Die Kirche verliert an Einfluss. So werden erstmals Bestattungen aller drei Konfessionen auf demselben Friedhof erlaubt. Eine neuartige Emotionalität stellt nun nicht mehr die Toten in den Mittelpunkt, sondern die Hinterbliebenen. In Leichenpredigten kommen fortan private Gefühle der Trauer zum Ausdruck.

Die ersten Reihengräber

Um 1800 entfaltet sich mit der Aufklärung eine neue Grabkultur. Die Friedhöfe, die sich durch das Bevölkerungswachstum wieder in bewohnten Gebieten befinden, werden als hygienisch bedenklich empfunden und vor die Tore der Städte verlegt. Aus Platz- und Hygienegründen fordert man bald für jede Leiche ein einzelnes Grab. Die Lage des Grabes soll sich aus der Reihenfolge des Todes ergeben, die ersten Reihengräber entstehen. Dies entspricht dem bürgerlichen Prinzip der Gleichheit und die Ruhefristen werden kontrollierbar. Zu dieser Zeit beginnen die Menschen, die Gräber mit Zäunchen zu umfrieden und zu bepflanzen.

Wahlgräber für privilegierte Bürger

Schon damals weisen die Friedhofsträger – ob Kirche oder kommunale Verwaltungen – gegen gesonderte Bezahlung gesonderte Flächen für die Gräber von privilegierten Bürgern aus. So genannte Wahlgräber mit längeren Ruhefristen entstehen. Auf vielen dieser Grabstätten stehen noch heute Grabmale mit wunderschönen Bildhauerarbeiten, die für uns zum Kulturgut geworden sind. Heute sind Wahlgräber im Allgemeinen für jeden Bürger erschwinglich.

Im 19. Jahrhundert werden in Anlehnung an die romantische Garten und Landschaftsgestaltung die ersten Friedhöfe mit geschwungenen Wegen geplant. Das Zeitalter der Industrialisierung bringt technischen Fortschritt und die ersten Krematorien werden gebaut. Mit der Verbrennung der Verstorbenen wird der Tod entzaubert – alles ist auf Funktionalisierung gerichtet.

Alternative Bestattungsarten

Heute liegt der Prozentsatz von Feuerbestattungen vielerorts weit über 50 Prozent, Erdbestattungen sind rückläufig. Die Ursachen liegen im  Wertewandel der Gesellschaft, in der beruflichen Mobilität, Forderungen nach kostengünstigen Begräbnisarten und einer Entpflichtung von der Grabpflege. Oft entscheiden sich Sterbende für alternative Bestattungsarten – auch außerhalb von Friedhöfen. Nicht selten haben Hinterbliebene dadurch Probleme bei der Verarbeitung ihrer Trauer.

Eine Grabstätte, die dem gelebten Leben eines Menschen gerecht wird, sollte Namen und Lebensdaten des Verstorbenen tragen und jederzeit für die Trauernden zugänglich sein. Der Friedhof in seiner therapeutischen Funktion bietet alle Möglichkeiten. Schön gestaltete Friedhöfe sind Orte, die Menschen gut tun. Darüber hinaus ermöglichen moderne Grabstättenkonzepte das Ausführen von wohltuenden Trauerhandlungen.

Grabmalberaterin: Manuela Langbein

Viele Steinmetze, mit denen das Grabmalzentrum bundesweit zusammenarbeitet, berichten von Angehörigen, die plötzlich feststellen, dass ein konkreter Ort fehlt, an dem sie ihre Toten betrauern können oder Trauerhandlungen nicht erlaubt sind. Deshalb ist es sinnvoll, zu Lebzeiten mit seinen Angehörigen darüber zu sprechen, wie man beerdigt werden möchte. Im Grabmalzentrum erhalten interessierte Besucher eine fundierte Beratung über Gedenksteine und Symbole. Schon der Gang über die Ausstellung der Firma Böse im Außengelände zeigt die Vielfalt der Möglichkeiten und ist ein Erlebnis. Manuela Langbein beschreibt: „Ob im Todesfall oder bereits im Vorfeld als Vorsorge – wir erarbeiten in einem ausführlichen Gespräch die Gestaltung eines Gedenksteines. Dabei gehen wir individuell auf die Wünsche der Kunden ein, so dass die Hinterbliebenen den Verstorbenen über die Symbolik des Steins „erspüren“ können.“

© Veröffentlicht in: Marktkorb

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